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Gründüngung für den Winter

Auch in Sachen praktische Vorbereitung der Ackerfläche für die erste Anbausaison sind wir weiter gekommen. Neben dem Austausch mit unterschiedlichen Expert:Innen (siehe Blogeintrag vom 10.10.2022) haben wir mit unseren Verpächtern, Stefan und Thomas, die Details des Pachtvertrages und die Herbst- und Winterbearbeitung der Pachtfläche besprochen. Da die beiden im Rahmen der EU-Subventionen Greening-Maßnahmen erfüllen, wird auf der Ackerfläche eine Winterzwischenfrucht (auch Gründüngung) angebaut. Im Gespräch ergab sich, dass die Zwischenfruchtsaat Kreuzblütler (Kohlgewächse) wie Winterraps oder Ölrettich enthält. Deshalb haben wir uns gemeinsam entschieden, die Wintergründüngung auf der gepachteten Fläche selbst auszubringen, um in der Fruchtfolge zu verhindern, dass Kohl (Winterraps) auf Kohl (Radieschen, Rucola, Kohlrabi, etc.) folgt.


Bis zum 01.10. stand auf der Fläche ein gut sichtbarer Streifen Getreide. Dieser sogenannte Nacherntestreifen, diente im Rahmen eines Schutzprojektes für den Feldhamster als möglicher Schutz- und Rückzugsort. Nachdem der Streifen abgeräumt war, wurde auch unser Teil der Fläche mittels Traktor und Scheibenegge für die Aussaat der Gründüngung vorbereitet. Vielen Dank dafür!


Bei der Frage nach dem geeigneten Saatgut haben wir uns für die Winterleguminosen von Bingenheimer Saatgut entschieden. Die Mischung, bestehend aus Zottelwicke, Wintererbse und Weidelgras, ist winterhart und friert nicht ab. Dadurch wird eine Bedeckung des Bodens über den Winter ermöglicht. Die Pflanzen durchwurzeln den Boden in unterschiedlichen Tiefen, verhindern Nährstoffauswaschungen und die Leguminosen binden Stickstoff (mittels Knöllchenbakterien) und Kohlenstoffdioxid aus der Luft.

Wenn ihr mehr Interesse am Thema Vorteile der Gründüngung auf Ackerflächen habt, empfehlen wir euch die Doku “Kiss the Ground” (2020). Die Doku ist auf Netflix verfügbar und wird vom Schauspieler Woody Harrelson im Stil eines “US-typischen Cowboys” gesprochen.


Ein großes Dankeschön geht an die SoLaWi “Guter Grund” in Wölfersheim dafür, das wir den Einachser (BCS 740 mit einer Präzisions-Tiefenwalze ausgestatteten Bodenfräse) ausleihen durften und an Marcel und Udo für die familiäre Unterstützung beim Transport, dem technischen Know How sowie mentalen Beistand.

Der Einachser wird verpackt
Der Einachser wird verpackt und transportfähig gemacht

Denn unser erster praktischer Versuch lief nicht ganz nach Plan und entpuppte sich als kleine Zerreißprobe. Das Zeitfenster war knapp, aber aus unserer Sicht machbar. Freitag am späten Nachmittag den Einachser aus Wölfersheim abholen, den Boden nach Ankunft sofort bearbeiten und parallel dazu auszusäen, damit der für Samstag angekündigte Regen seine Wirkung hätte tun können. Ausgerüstet mit Benzinkanistern zum Nachfüllen des Tanks und mit Marcels praktischen Tipps gingen wir ans Werk. Bis zur Hälfte lief es recht gut, die Dämmerung setzte langsam ein, aber wir waren noch optimistisch, dass wir es schaffen würden. Nach dem ersten Nachfüllen des Tanks, Flo war gerade auf dem Weg zur Tankstelle, um für Nachschub zu sorgen, dann die Ernüchterung. Das Seil des Seilzugstarters für den Motor - durchgerissen!


Völlig ungläubig und in dem Bewusstsein, dass an diesem Abend wohl nichts mehr laufen würde, überlegten wir, wie den Einachser von der Mitte der Ackerfläche bekommen. Udo wurde verständigt, uns abzuholen und Flos Gemütszustand, nachdem er erfuhr, was passiert war - auf einem Tiefpunkt. Was blieb uns anderes übrig, als den Einachser mit vereinten Kräften vom Acker auf den Anhänger zu transportieren und vor dem pünktlich einsetzenden Regen geschützt erstmal in den Hof zu stellen. Die Laune besserte sich nicht gerade, als wir feststellen mussten, dass der Ratschenschlüssel kaputt war. Also erstmal keine Reparatur. Die Stimmung an diesem Abend lässt sich gut in dem bekannten Bild "Der Schrei" von Edvard Munch ausdrücken.


Neue Motivation und frischen Mut haben wir direkt am Folgetag bekommen, als wir zur Gartenführung des Market Garden Betriebs Weierhöfers Gartengemüse zwischen Mainz und Kaiserlautern gefahren sind. (Blogeintrag vom 10.10.2022).

Caro bei der Reperatur
Caro bei der Reperatur des Starterseils

Dank guter Hinweise von Udo, der YouTube HowTo Universität und einem neuen Ratschenschlüssel, konnten wir am Sonntag das Starterseil erfolgreich reparieren. Caro konnte die Rückgabe des Einachsers verlängern und wir konnten zu Beginn der neuen Woche, nachdem der Boden wieder abgetrocknet war, mit dem zweiten Durchlauf starten. Dieser lief reibungslos und Caro hat in einem ersten Schritt den Boden mit einer tieferen Einstellung der Fräse bearbeitet, um im zweiten Schritt mit einer höheren Einstellung den Boden feiner für die Einsaat vorzubereiten.


In den darauffolgenden drei Tagen arbeitete Florian dann bei Sonnenschein die von Hand gesäten Samen geduldig mit der Harke in die Erde ein. Ein anstrengender, zum Teil eintöniger und lange dauernder Prozess, den Mr. Miyagi, den Karatemeister (für die Karate Kid Fans unter euch) sicherlich sehr erfreut hätte.

Caro bei der Ackerbearbeitung
Caro bei der Ackerbearbeitung

Nachdem die Gründüngung ihren Weg erfolgreich in die Erde gefunden hat, sind wir zu dem Schluss gekommen, unsere Prozesse für die Zukunft zu überdenken. Die Verwendung eines tragbaren Saatgutstreuers oder die Aussaat mit Hilfe einer professionell mechanisierten

Lösung sollte die Arbeit um einiges erleichtern.

Wenn jemand von euch einen Verleih für größere Aussaatmaschinen kennt, bitte Infos gerne an uns.

Wie auch immer, wir haben es geschafft und sind um einige Erkenntnisse reicher. Die Ackerfläche ist markiert und der Boden zum Ersten bearbeitet. Jetzt kann der Winter kommen und wir sind gespannt, wie die Saat aufläuft und sich entwickelt


Um weiter in Kontakt mit euch zu sein und zum gegenseitigen persönlichen Kennenlernen, planen wir Ende Oktober ein kleines Mostevent. Genauere Infos und Termine erhaltet ihr über unseren Newsletter. Ihr könnt euch zum Newsletter entweder über die Fußleiste der Website oder direkt am Anfang der Startseite anmelden.

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